Behandlungsmöglichkeiten

Psychosexuelle Therapie: Behandlung sexueller Schwierigkeiten

Medizinisch geprüft Dr. Sarah Boss, MD

Updated

Die psychosexuelle Therapie, auch Sexualtherapie genannt, ist eine spezialisierte Gesprächstherapie bei Schwierigkeiten rund um sexuelles Wohlbefinden und Intimität. Sie kann helfen, psychologische und partnerschaftliche Aspekte zu verstehen, während medizinische Fachpersonen bei Bedarf körperliche Erkrankungen behandeln. Am Anfang stehen eine Abklärung Ihres Anliegens und Ihrer Ziele – kein Standardprogramm, das alle durchlaufen müssen. Sie sollten wissen, was die Sitzungen beinhalten, was nicht zum Aufgabenbereich der therapeutischen Fachperson gehört und wie Ihre Privatsphäre, Ihre Einwilligung und Ihre Grenzen während der gesamten Behandlung respektiert werden.

Beginnen Sie mit der Schwierigkeit, bei der Sie Unterstützung wünschen

Vielleicht beschäftigen Sie Fragen zu sexuellem Verlangen, Erregung, Veränderungen der Erektion, Ejakulation, Orgasmus, Schmerzen oder Ängsten im Zusammenhang mit Intimität. Ein psychosexueller Dienst des britischen NHS beschreibt eine Abklärung und Behandlung, die körperliche und psychologische Faktoren gemeinsam berücksichtigen kann. Das bedeutet nicht, dass alle Anliegen dieselbe Ursache haben oder dass jede Person eine Gesprächstherapie benötigt. [1]

Fragen Sie, welche Hinweise die Abklärung liefert und welche Fachperson geeignet ist. Ein neu aufgetretenes körperliches Symptom kann eine ärztliche Abklärung erfordern, während bei einem anderen Anliegen Ängste, Erwartungen oder Kommunikation im Vordergrund stehen. Der Ratgeber zur Abklärung bietet Ihnen eine freiwillige Vorbereitung. Sie müssen vor dem ersten Gespräch weder eine Diagnose noch eine Therapie auswählen. Auch sollte ein Fragebogen Sie nicht automatisch einem Behandlungspaket zuordnen.

Gesprächstherapie und medizinische Behandlung haben unterschiedliche Aufgaben

Manche sexuellen Schwierigkeiten erfordern neben psychologischer Unterstützung auch eine medizinische Abklärung. Die NHS-Informationen zu vermindertem sexuellem Verlangen und Erektionsproblemen nennen unter anderem Medikamente, körperliche Erkrankungen und emotionale Einflüsse als mögliche beitragende Faktoren. Im Behandlungsplan sollte klar sein, wer ein körperliches Anliegen abklärt, wer Medikamente verschreibt und wer die Therapie durchführt. Eine einzelne Fachperson sollte nicht über ihren Kompetenzbereich hinaus tätig werden müssen. [2,3]

So kann es beispielsweise sinnvoll sein, ein Medikament ärztlich überprüfen zu lassen und zugleich über Ängste zu sprechen, die im Zusammenhang mit einem Symptom entstanden sind. Beides lässt sich aufeinander abstimmen, ohne dass der eine Ansatz den anderen infrage stellt. Setzen Sie ein verschriebenes Medikament nicht abrupt ab, kaufen Sie keine Behandlungen ungeprüfter Herkunft und nehmen Sie keine Medikamente ein, die anderen Personen verschrieben wurden. Fragen Sie die verschreibende Fachperson nach möglichen Ursachen, Optionen und Verlaufskontrollen, statt aufgrund eines allgemeinen Artikels oder der Erfahrung Ihrer Partnerin oder Ihres Partners Änderungen vorzunehmen.

Ein psychosexueller Termin braucht klare Grenzen

COSRT beschreibt seine psychosexuellen und paartherapeutischen Ansätze als Gesprächstherapien, die weder körperliche Berührungen noch Eingriffe oder medizinische Untersuchungen beinhalten. Ein separater medizinischer Termin kann angezeigt sein, hat aber einen eigenen fachlichen Zweck und erfordert eine gesonderte Einwilligung. Sexuelle Handlungen mit einer therapeutischen Fachperson sind kein Bestandteil der hier beschriebenen Gesprächstherapie. [4]

Fragen Sie vor dem Termin, wer anwesend sein wird, ob eine medizinische Abklärung vorgesehen ist und welche Qualifikationen die beteiligten Fachpersonen haben. Für eine reguläre Gesprächstherapie sollten Sie weder intime Fotos bereitstellen noch sexuelle Handlungen vorführen müssen. Wenn etwas unklar ist oder Ihnen unangemessen erscheint, bitten Sie um eine Erklärung und erwägen Sie, Ihr Anliegen über das fachliche Beschwerdeverfahren des Anbieters vorzubringen. Klare Grenzen gehören zur Behandlung und stehen ihr nicht im Weg.

Ängste und Erwartungen bearbeiten, ohne Leistungsziele festzulegen

Eine therapeutische Fachperson kann Sie dabei unterstützen, Gedanken, Gefühle und Reaktionen im Zusammenhang mit einer schwierigen Situation zu besprechen. NHS-Dienste beschreiben psychosexuelle Behandlung als gemeinsame Gesprächsarbeit mit Einzelpersonen und, wo angemessen, mit Partnerinnen oder Partnern. Die konkrete Methode sollte mit Bezug auf Ihr Anliegen erklärt werden – nicht mit dem Versprechen, dass Selbstvertrauen allein ein körperliches Problem lösen werde. [5]

Mögliche Ziele könnten sein, eine Grenze zu kommunizieren, den Druck zu verringern, eine bestimmte Reaktion zeigen zu müssen, oder zu verstehen, weshalb sich eine Begegnung unsicher oder unangenehm anfühlt. Dies sind Beispiele für das Gespräch, keine Anleitung, selbstständig eine sexuelle Übung durchzuführen. Jede Aktivität zwischen den Sitzungen sollte einen klaren Zweck haben, freiwillig vereinbart werden und erneut besprochen werden, wenn sie Schmerzen, Belastung oder Druck verursacht. Sie müssen keine Leistung erbringen, um zu beweisen, dass Sie an der Behandlung mitwirken.

Schmerzen erfordern einen abgestimmten Plan, keinen Druck zum Weitermachen

Die NHS-Informationen zu Vaginismus beschreiben eine unwillkürliche Reaktion und weisen darauf hin, dass auch andere Schmerzursachen berücksichtigt werden müssen. Je nach Befund kann eine behandelnde Fachperson weitere medizinische oder spezialisierte Unterstützung empfehlen. Psychologische Behandlung kann begleitende Ängste oder Belastungen aufgreifen, ohne Schmerzen als eingebildet darzustellen oder von Ihnen zu verlangen, diese auszuhalten und weiterzumachen. [6]

Fragen Sie, wie sich die Fachpersonen austauschen und was mit den einzelnen Massnahmen erreicht werden soll. Sie können sich jede Untersuchung oder vorgeschlagene körperliche Behandlung erklären lassen und über Einwilligung, Wohlbefinden und Alternativen sprechen. Eine Webseite kann nicht festlegen, welche Übung oder welcher Behandlungsablauf bei Schmerzen angemessen ist. Das Ziel sollte sich an Ihrem Wohlbefinden und Ihren Präferenzen orientieren – nicht an der vorgegebenen Erwartung, dass eine bestimmte sexuelle Aktivität bis zu einem festgelegten Zeitpunkt möglich sein muss.

Einzel- und gemeinsame Sitzungen bieten Raum für unterschiedliche Fragen

Einzeltermine können Raum bieten, Erfahrungen vertraulich zu besprechen. Dazu gehören etwa Unsicherheiten in einer Beziehung oder Themen, die sich gemeinsam nur schwer ansprechen lassen. Gemeinsame Termine können sich auf Kommunikation und gemeinsame Ziele konzentrieren, wenn beide Personen freiwillig zustimmen und das Vorgehen angemessen ist. Keines der beiden Formate ist grundsätzlich besser. Sie müssen nicht in einer Partnerschaft sein, um Unterstützung für Ihr sexuelles Wohlbefinden zu suchen.

Fragen Sie, wie die therapeutische Fachperson mit Informationen umgeht, die ihr einzeln anvertraut werden, und was Vertraulichkeit bei gemeinsamen Sitzungen bedeutet. Jede Person muss eine Aktivität ablehnen oder eine Grenze verändern können. Bei Angst, Zwang oder Missbrauch ist eine gemeinsame Sitzung möglicherweise nicht geeignet; separate spezialisierte Unterstützung und Sicherheit sollten Vorrang haben. Therapie darf den Druck einer anderen Person nicht in eine Verpflichtung verwandeln, diesem nachzugeben.

Identität, Präferenzen und unterschiedliche Formen von Intimität respektieren

Die WHO stellt Respekt und Freiheit von Diskriminierung ins Zentrum des sexuellen Wohlbefindens. Eine Behandlung sollte weder darauf abzielen, die sexuelle Orientierung einer Person zu verändern, noch sie an ein bestimmtes Beziehungsmodell anzupassen. Unterschiede im sexuellen Verlangen, Asexualität oder einvernehmliche Präferenzen sollten nicht allein deshalb als Störungen behandelt werden, weil sie von den Wünschen einer Partnerin oder eines Partners oder von kulturellen Erwartungen abweichen. [7]

Besprechen Sie, was für Sie ein sinnvolles Ergebnis wäre. Dabei kann es um mehr Wohlbefinden, klarere Entscheidungen oder ein besseres Verständnis gehen statt um häufigere sexuelle Aktivität. Eine therapeutische Fachperson sollte erklären können, wie die Behandlung Ihre Identität und Ihre Werte respektiert. Sie können sich an eine andere Fachperson wenden, wenn sich der Ansatz wertend anfühlt oder die vorgeschlagenen Ziele nicht dem Anliegen entsprechen, mit dem Sie gekommen sind.

Begleitende psychische Anliegen berücksichtigen, ohne alles der Sexualtherapie zuzuordnen

Auch Depressionen, Ängste, traumabezogene Schwierigkeiten oder Sorgen um das eigene Körperbild können eine Rolle spielen. Eine Abklärung sollte klären, ob dafür eine spezifische Behandlung nötig ist, statt davon auszugehen, dass ein sexuelles Anliegen die gesamte Situation erklärt. Die Ratgeber zu Depression, PTBS und Unterstützung bei Körperbildproblemen greifen damit verbundene Fragen auf.

Sie müssen traumatische Ereignisse nicht im ersten Kontaktformular schildern. Eine behandelnde Fachperson sollte erklären, welche Informationen benötigt werden, und mit Ihnen ein tragbares Tempo vereinbaren. Wenn es eher um einen Kontrollverlust über das Verhalten als um sexuelles Verlangen oder sexuelle Funktion geht, beschreibt der Ratgeber zu zwanghaftem Sexualverhalten eine andere Form der Abklärung. Niemand sollte allein aufgrund der Häufigkeit oder aufgrund einer Belastung, die ausschliesslich auf der moralischen Missbilligung anderer beruht, als betroffen eingestuft werden.

Den Behandlungsplan anhand Ihrer Erfahrungen überprüfen, nicht anhand eines allgemeingültigen Punktwerts

Vereinbaren Sie, was Sie wann gemeinsam überprüfen möchten. Sie könnten besprechen, ob die Sitzungen hilfreich sind, ob eine wichtige Frage klarer geworden ist oder ob sich eine vereinbarte Aktivität angenehm und angemessen anfühlt. Dies sind persönliche Themen zur Standortbestimmung, kein validiertes Instrument zur Ergebnismessung. Eine einzelne sexuelle Reaktion oder eine bestimmte Häufigkeit sollte nicht die einzige Grundlage sein, um die Behandlung zu beurteilen.

Sprechen Sie mit der therapeutischen Fachperson über Unbehagen, unterschiedliche Zielvorstellungen oder Schwierigkeiten mit dem vorgeschlagenen Ansatz. Fragen Sie, ob der Plan angepasst werden muss, eine weitere medizinische Abklärung nötig ist oder eine andere Fachperson beigezogen werden sollte. Fehlende Fortschritte sollten nicht automatisch zu Schuldzuweisungen oder einer unbegrenzten Fortsetzung desselben Vorgehens führen. Kosten, Terminhäufigkeit und vorgeschlagene Aktivitäten sollten transparent bleiben, damit Sie informiert über die Fortsetzung entscheiden können.

Passende Fachkompetenz finden und die Grenzen des Angebots kennen

Eine Abklärung bei VAYEMA kann Ihr Anliegen beleuchten und klären, ob geeignete psychosexuelle Fachkompetenz, medizinische Unterstützung oder eine externe Zuweisung sinnvoll ist. Fragen Sie nach den Qualifikationen und der Erfahrung der tatsächlich behandelnden Fachperson, nicht nur nach der Bezeichnung des Angebots. COSRT führt ein freiwilliges Fachregister mit Standards für Ausbildung und Berufspraxis. Dies ist eine Möglichkeit, einschlägige Qualifikationen im Vereinigten Königreich zu überprüfen. [4]

Der Ratgeber zum besseren Verständnis bietet Hintergrundinformationen vor der Kontaktaufnahme. Klären Sie das Terminformat, die Kosten, den Schutz Ihrer Privatsphäre und den Zeitpunkt der ersten Standortbestimmung. Die Website bietet weder Tests zur sexuellen Gesundheit noch Notfallbehandlung oder ein diagnostisches Ergebnis. Bei einem akuten medizinischen Anliegen, einem kürzlich erlebten Übergriff oder unmittelbarer Gefahr wenden Sie sich an die geeignete medizinische Stelle, spezialisierte Unterstützungsstelle oder den Notfalldienst vor Ort, statt auf einen regulären Therapietermin zu warten.

Häufige Fragen zur psychosexuellen Therapie

Gehört körperlicher oder sexueller Kontakt zur Sexualtherapie?

Nicht zur hier beschriebenen spezialisierten Gesprächstherapie. Die psychosexuellen Ansätze von COSRT beinhalten weder Berührungen noch medizinische Untersuchungen. Bei körperlichen Symptomen kann eine separate medizinische Behandlung durch eine qualifizierte Fachperson und mit klarer Einwilligung angemessen sein. Bitten Sie den Anbieter, diese Aufgaben vor dem Termin voneinander abzugrenzen. [4]

Brauche ich eine Partnerin oder einen Partner, um teilzunehmen?

Nein. Individuelle Unterstützung kann sich mit sexuellem Wohlbefinden, Selbstvertrauen, Symptomen oder persönlichen Fragen befassen. Gemeinsame Sitzungen können besprochen werden, wenn sie einem vereinbarten Zweck dienen und beide Personen freiwillig teilnehmen können. Ob Sie in einer Partnerschaft sind oder nicht, sollte nicht darüber entscheiden, ob Ihr Anliegen berechtigt ist.

Kann eine Therapie helfen, wenn es eine körperliche Ursache gibt?

Sie kann bei begleitender Belastung oder partnerschaftlichen Anliegen helfen, während medizinische Fachpersonen die körperliche Erkrankung behandeln. Dieses Zusammenspiel sollte erklärt werden, ohne den Eindruck zu erwecken, dass Gesprächstherapie eine medizinische Behandlung ersetzt. Der geeignete Plan hängt von der Abklärung und davon ab, wobei Sie Unterstützung wünschen.

Bekomme ich Übungen für zu Hause?

Manche Ansätze können vereinbarte Aktivitäten beinhalten. Die therapeutische Fachperson sollte deren Zweck erklären und sie an Ihre Situation anpassen. Die Teilnahme muss freiwillig sein. Sie sollten nicht trotz Schmerzen oder unter Druck weitermachen. Eine allgemeine Online-Anleitung sollte die Abklärung eines konkreten sexuellen oder medizinischen Anliegens nicht ersetzen.

Wie lange dauert eine psychosexuelle Therapie?

Die Dauer hängt vom Anliegen, von begleitenden Bedürfnissen und vom Ansatz ab. Fragen Sie nach dem anfänglichen Plan und der ersten Standortbestimmung statt nach einem garantierten Endtermin. Eine festgelegte Anzahl von Sitzungen kann keine bestimmte sexuelle Reaktion garantieren. Eine Fortsetzung der Behandlung sollte sich auf einen klaren Zweck und Ihre Erfahrungen mit der Therapie stützen.

Was kann ich tun, wenn sich der Ansatz wertend anfühlt?

Sprechen Sie Ihr Anliegen an, sofern Sie sich dazu in der Lage fühlen, und fragen Sie, wie die Ziele vereinbart wurden. Die Achtung Ihrer Einwilligung, Identität und Präferenzen ist wesentlich. Sie können eine andere qualifizierte Fachperson aufsuchen oder gegebenenfalls das zuständige Beschwerdeverfahren nutzen. Eine Behandlung sollte nicht verlangen, dass Sie sich den persönlichen Wertvorstellungen einer therapeutischen Fachperson anpassen.

Weiterführende Informationen und Quellen

[1] NHS Greater Manchester: psychosexuelle Abklärung und Behandlung

[2] NHS: vermindertes sexuelles Verlangen und mögliche beitragende Faktoren

[3] NHS: Erektionsprobleme und medizinische Abklärung

[4] COSRT: Gesprächstherapie, Grenzen und Fachregister

[5] Cheshire and Wirral Partnership NHS: psychosexuelle Medizin und Therapie

[6] NHS: Abklärung und Behandlung bei Vaginismus

[7] WHO: sexuelle Gesundheit und respektvolle Behandlung

Mehr über die Ansätze erfahren

Erfahren Sie, wie die Sitzungen ablaufen und für welche Bereiche wissenschaftliche Evidenz vorliegt. Diese informativen Links sind alphabetisch geordnet. Sie sind weder eine Rangliste von Behandlungsempfehlungen noch eine Bestätigung der Verfügbarkeit vor Ort.

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