Behandlungsmöglichkeiten

Bipolar-II-Störung behandeln: Depression, Hypomanie und langfristige Betreuung

Medizinisch geprüft Dr. Sarah Boss, MD

Aktualisiert am

Die Behandlung einer Bipolar-II-Störung sollte depressive Episoden, Hypomanien und die Zeit dazwischen berücksichtigen. Die Depression kann den Alltag am stärksten beeinträchtigen. Frühere Episoden mit gesteigerter Energie beeinflussen jedoch die Behandlungsplanung. Geeignete Medikamente, psychologische Unterstützung und regelmässige Verlaufskontrollen können sich ergänzen. Ein sinnvoller Plan nimmt Ihre Ziele und Bedenken ernst, ohne die Bipolar-II-Störung grundsätzlich als mild einzustufen oder von Ihnen zu erwarten, eine Behandlung anhand eines Fragebogenwerts auszuwählen.

Diagnose und aktuelle Behandlungspriorität klären

Eine spezialisierte Fachperson berücksichtigt frühere Depressionen und Hypomanien, aktuelle Symptome, bisherige Behandlungen, die körperliche Gesundheit und mögliche Sicherheitsrisiken. Vorrangig kann es um eine depressive Episode, eine beginnende Aktivierung, gemischte Symptome oder eine Erhaltungsbehandlung in einer relativ stabilen Phase gehen. Diese Situationen erfordern unterschiedliche Gespräche. Wenn jemand wegen einer Depression Hilfe sucht, dürfen frühere hypomanische Episoden nicht übergangen werden, nur weil sie gerade weniger sichtbar sind. [1,2]

Der Leitfaden zur Abklärung einer Bipolar-II-Störung kann helfen, relevante Informationen zusammenzustellen. Bringen Sie Ihre aktuellen Medikamente mit und beschreiben Sie frühere positive Wirkungen, Nebenwirkungen oder ungewöhnliche Veränderungen Ihrer Energie. Falls die Diagnose noch unklar ist, fragen Sie, welche zusätzlichen Informationen zur Klärung beitragen könnten und wie Ihre aktuellen Symptome in der Zwischenzeit behandelt werden. Unsicherheit sollte offen erläutert und nicht hinter einer feststehenden Empfehlung für ein Behandlungsprogramm verborgen werden.

Bipolare Depression behandeln, ohne Aktivierung zu übersehen

Zu depressiven Symptomen können gedrückte Stimmung, verminderte Freude, Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung sowie Schwierigkeiten mit Schlaf, Appetit oder Konzentration gehören. Bei der Wahl der Behandlung müssen der bisherige bipolare Verlauf und die Möglichkeit einer gehobenen Stimmung berücksichtigt werden. Medikamente gegen bipolare Depression entsprechen nicht automatisch einer üblichen Behandlung für eine nicht bipolare Depression. Eine entsprechend qualifizierte, verschreibende Fachperson sollte das vorgesehene Vorgehen erläutern. [1]

Berichten Sie neben gedrückter Stimmung auch über innere Unruhe, Gedankenrasen, erhöhte Impulsivität oder ein vermindertes Schlafbedürfnis. Diese Merkmale können die klinische Einordnung und die Sicherheit beeinflussen. Mehr Aktivität bedeutet nicht immer, dass sich die Depression bessert. Eine sorgfältige Beurteilung betrachtet die gesamte Veränderung, statt sich auf einen Gesamtwert zu verlassen oder jede Zunahme an Energie ungeprüft als positiv zu bewerten.

Die Medikamentenwahl hängt von der Person und der Krankheitsphase ab

Eine spezialisierte Fachperson kann Medikamente in Betracht ziehen, deren Einsatz bei bipolarer Depression, zur Stimmungsstabilisierung oder zur Vorbeugung durch wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt ist. Dabei berücksichtigt sie das bisherige Ansprechen und den Gesundheitszustand. Der Plan sollte erklären, welchem Zweck jedes Medikament dient, wie sein Nutzen beurteilt wird und bei welchen Nebenwirkungen Sie Kontakt aufnehmen sollten. Manche Menschen benötigen im Laufe der Zeit Anpassungen. Diese sollten fachlich begleitet werden, statt die Betroffenen allein durch Versuch und Irrtum nach einer Lösung suchen zu lassen. [1,2]

Nehmen Sie keine Medikamente anderer Personen ein, verändern Sie keine Dosis und setzen Sie die Behandlung nicht ab, nur weil der Erfahrungsbericht einer anderen Person vielversprechender klingt. Informieren Sie die verschreibende Fachperson über alle weiteren Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel. Je nach Behandlung können Kontrollen der körperlichen Gesundheit erforderlich sein. Fragen Sie, wer Untersuchungen organisiert und die Ergebnisse beurteilt. So bleiben die Kontrollen Teil der Behandlung und werden nicht zu einer unerklärten organisatorischen Aufgabe, die Sie allein bewältigen müssen.

Entscheidungen zu Antidepressiva erfordern besondere Sorgfalt

Antidepressiva können in manchen Behandlungsplänen für bipolare Störungen in Betracht kommen. Ihre Rolle muss jedoch im Hinblick auf eine mögliche gehobene Stimmung und die übrige Medikation sorgfältig geprüft werden. Es sollte nicht angenommen werden, dass sie allein für jede bipolare depressive Episode geeignet sind. Falls nach der Einnahme eines Antidepressivums früher eine ungewöhnliche Aktivierung aufgetreten ist, informieren Sie die behandelnde Fachperson über den zeitlichen Zusammenhang und die Symptome. [1]

Dies ist keine Aufforderung, ein bereits verschriebenes Medikament abzusetzen. Abrupte Änderungen können Probleme verursachen und die klinische Einordnung erschweren. Bitten Sie die zuständige verschreibende Fachperson, die Behandlung zu überprüfen, Nutzen und Risiken zu erläutern und für allfällige Änderungen einen klaren Plan festzulegen. Onlineinformationen können nicht bestimmen, ob ein bestimmtes Medikament angesichts Ihrer persönlichen Vorgeschichte geeignet ist.

Auch bei Hypomanie ist ein Behandlungsgespräch wichtig

Eine Phase mit gesteigerter Energie kann sich angenehm anfühlen oder weniger beeinträchtigend erscheinen als eine Depression. Veränderungen von Schlaf, Urteilsvermögen und eingegangenen Verpflichtungen können dennoch bedeutsam sein. Eine behandelnde Fachperson kann beurteilen, ob sich die Symptome verstärken und ob die aktuelle Behandlung überprüft werden sollte. Das Ziel ist nicht, jedes positive Gefühl oder jeden produktiven Tag zu unterdrücken. Es geht darum, gewöhnliches Wohlbefinden von einer Episode zu unterscheiden, die Folgen haben kann. [1]

Besprechen Sie, was andere bemerkt haben, wie viel Schlaf Sie benötigen und ob Ihr Verhalten von Ihrem üblichen Verhalten abweicht. Verlassen Sie sich nicht allein darauf, ob sich die Phase gut anfühlt. Bei schweren Symptomen, psychotischen Symptomen oder einer Gefährdung ist eine dringende Abklärung nötig. Möglicherweise muss auch die Diagnose neu beurteilt werden. Die Diagnose Bipolar-II-Störung ist keine Garantie dafür, dass ein Zustand mit gehobener Stimmung nicht ernster werden kann.

Psychotherapie kann die Behandlung mit dem Alltag verbinden

Strukturierte psychologische Unterstützung kann helfen, Episoden, depressive Denkmuster, Beziehungen und die Auswirkungen der Erkrankung auf Selbstvertrauen oder Verantwortlichkeiten besser zu verstehen und damit umzugehen. Psychoedukation verbindet Wissen mit Ihrem persönlichen Verlauf und praktischen Entscheidungen. In der Therapie können auch Ängste oder Sorgen vor erneuten Episoden aufgegriffen werden. Sie sollte mit der medizinischen Behandlung abgestimmt sein und nicht als Möglichkeit dargestellt werden, jede Phase ohne angemessene medikamentöse Behandlung oder fachärztliche Abklärung zu bewältigen. [1]

Fragen Sie, wie die Fachperson bei einer Bipolar-II-Störung arbeitet und wie Fortschritte beurteilt werden. Sinnvolle Ziele können sein, nach einer Depression wieder Aktivitäten aufzunehmen, Veränderungen im Schlaf zu erkennen oder Bedürfnisse ohne wiederkehrende Konflikte zu kommunizieren. Die therapeutische Arbeit sollte Ihnen nicht die Verantwortung auferlegen, durch perfekte Gewohnheiten jede Episode zu verhindern. Ein gemeinsam erarbeiteter Plan kann sowohl persönliche Entscheidungen als auch Faktoren berücksichtigen, die sich nicht willentlich steuern lassen.

Die Erholung unterstützen, ohne die Stimmung ständig zu kontrollieren

Verlaufskontrollen können Symptome, Alltagsbewältigung, Nebenwirkungen und den Verlauf über die Zeit berücksichtigen. Ein Stimmungs- oder Schlafprotokoll kann in einer vereinbarten Häufigkeit hilfreich sein. Häufigeres Kontrollieren ist jedoch nicht automatisch besser. Ziel ist, bedeutsame Veränderungen zu bemerken und mitzuteilen, nicht jedes Gefühl als Anzeichen einer Erkrankung zu deuten. Fragen Sie, welche Informationen die behandelnde Fachperson benötigt und bei welchen Veränderungen Sie früher Kontakt aufnehmen sollten.

Ein Plan für die Erhaltungsbehandlung sollte auch verbleibende depressive Symptome und die praktischen Folgen früherer Episoden berücksichtigen. Sich stabiler zu fühlen bedeutet nicht immer, dass Selbstvertrauen, Energie oder Beziehungen sich vollständig erholt haben. Sprechen Sie diese Unterschiede offen an. Wenn die Behandlung nicht hilft, sollten das Vorgehen, mögliche Hindernisse und mögliche Begleiterkrankungen überprüft werden, statt die bisherige Behandlung ohne klare Begründung einfach fortzuführen.

Schlaf, Substanzkonsum und reproduktive Gesundheit gehören in den Behandlungsplan

Schlafstörungen, Alkohol oder andere Substanzen sowie grössere Veränderungen im Tagesablauf können für die Stimmungsstabilität relevant sein. Besprechen Sie deren Einfluss, ohne anzunehmen, dass eine einzelne Gewohnheit die Erkrankung erklärt. Arbeit, Reisen und Betreuungsaufgaben können einen regelmässigen Alltag erschweren. Ein Plan sollte umsetzbare Veränderungen und geeignete Unterstützung vorsehen, statt von einem idealen Tagesablauf auszugehen, der sich realistischerweise nicht einhalten lässt. [1]

Auch Schwangerschaft, Familienplanung und Medikamentensicherheit erfordern eine individuelle fachärztliche Beratung. Einige Medikamente zur Behandlung bipolarer Störungen sind mit wichtigen Risiken für die Fortpflanzung und entsprechenden Einschränkungen verbunden. Vor Änderungen sollten die vor Ort geltenden Empfehlungen zur Verschreibung geprüft werden. Die MHRA-Informationen zu Valproat [3] verdeutlichen, weshalb sich diese Fragen nicht mit einer allgemeinen beruhigenden Auskunft im Internet beantworten lassen. Setzen Sie Medikamente nicht abrupt ab, während Sie Rat einholen.

Fachpersonen und vereinbarte Unterstützung durch Angehörige koordinieren

Klären Sie, welche Fachperson für die Medikation verantwortlich ist und welche Aufgaben die psychotherapeutische oder hausärztliche Fachperson übernimmt. Wenn Empfehlungen widersprüchlich erscheinen, bitten Sie um Klärung, statt sie allein miteinander in Einklang bringen zu müssen. Die Behandlungskoordination kann bei organisatorischen Fragen und beim vereinbarten Informationsaustausch helfen. Sie sollte jedoch weder die klinisch verantwortliche Fachperson ersetzen noch den Eindruck einer kontinuierlichen Überwachung vermitteln.

Mit Ihrem Einverständnis können Angehörige Sie bei Terminen unterstützen und konkrete Veränderungen ansprechen, die Sie gemeinsam festgelegt haben. Sie sollten nicht zu ständigen Beobachtern werden oder Entscheidungen über Medikamente treffen. Die Unterstützung für Angehörige kann auch deren eigene Anliegen und Grenzen aufgreifen. Die Privatsphäre und Mitwirkung der betroffenen Person bleiben wichtig, selbst wenn jemand anderes bei der Organisation oder Finanzierung der Behandlung hilft.

Erkennen, wann eine reguläre ambulante Behandlung nicht ausreicht

Eine schwere Depression, Suizidabsicht, zunehmende Aktivierung, Psychose oder die Unfähigkeit, die eigene Sicherheit zu gewährleisten, erfordern rasche fachärztliche Hilfe. Bei unmittelbarer Gefahr sind Notfalldienste erforderlich. Welcher Behandlungsrahmen angemessen ist, richtet sich nach den Bedürfnissen und der Sicherheit, nicht allein danach, ob die Diagnose Bipolar-I- oder Bipolar-II-Störung lautet. Ein regulärer ambulanter Termin ersetzt keine Krisenbehandlung oder Behandlung im Spital, wenn diese benötigt wird. [2]

Ausserhalb eines Notfalls kann nach einer Abklärung eine individuelle Behandlung besprochen werden. Dabei müssen geeignete Behandlungsformen und die erforderliche fachliche Expertise bestätigt werden. Eine Anfrage bei VAYEMA bietet keine akute Überwachung. Fragen Sie vor der Vereinbarung einer fortlaufenden Behandlung nach Verlaufskontrollen, Kontaktmöglichkeiten und Kosten, damit der Plan sowohl klinisch angemessen als auch praktisch nachvollziehbar ist.

Häufige Fragen zur Behandlung der Bipolar-II-Störung

Wird die Bipolar-II-Störung nur während einer Depression behandelt?

Nein. Die Behandlung kann depressive Episoden, Hypomanien, verbleibende Symptome und die längerfristige Vorbeugung umfassen. Die aktuelle Phase bestimmt die unmittelbare Priorität, während der bisherige Verlauf über das gesamte Leben in den Plan einfliesst. Eine sinnvolle Beurteilung übergeht Phasen mit gesteigerter Energie nicht, nur weil die Depression belastender ist oder den Hauptgrund für die Hilfesuche darstellt.

Kann ich bei einer Hypomanie einfach abwarten, bis sie vorübergeht?

Gehen Sie nicht davon aus, dass Abwarten immer angemessen ist. Veränderungen von Schlaf, Urteilsvermögen, Aktivität oder Sicherheit sollten klinisch beurteilt werden, besonders wenn sie zunehmen. Eine Fachperson kann Sie zum geeigneten Vorgehen beraten. Bei unmittelbarer Gefahr oder schweren Symptomen ist dringende Hilfe erforderlich, statt sich auf einen Onlineplan zu verlassen oder bis zum nächsten regulären Termin zu warten.

Nehmen mir Medikamente meine Persönlichkeit oder Kreativität?

Bedenken zu den Auswirkungen einer Behandlung auf Energie, Denken oder Identität verdienen ein sorgfältiges Gespräch. Ziel ist eine hilfreiche, verträgliche Behandlung, nicht eine unhinterfragte Verschreibung. Informieren Sie die behandelnde Fachperson über Nebenwirkungen und darüber, was Ihnen wichtig ist. Setzen Sie Medikamente nicht eigenständig ab. Fragen Sie, wie der Plan unter Berücksichtigung der Risiken einer erneuten Episode überprüft werden kann.

Ersetzt Psychotherapie eine verschreibende Fachperson?

Nicht, wenn eine medizinische Behandlung oder Überwachung angezeigt ist. Psychologische Betreuung kann die Erholung, das Verständnis und die Alltagsbewältigung unterstützen. Die Aufgaben sollten jedoch klar geregelt und aufeinander abgestimmt sein. Fragen Sie nach spezifischer Erfahrung mit bipolaren Störungen und nach dem Austausch mit der verschreibenden Fachperson. Ein unterstützendes Gespräch allein bedeutet nicht, dass akute Symptome oder Fragen zur Medikation ausreichend abgeklärt wurden.

Was geschieht, wenn eine Behandlung nicht geholfen hat?

Die behandelnde Fachperson kann die Diagnose, die aktuelle Phase, das bisherige Ansprechen, Nebenwirkungen, die Durchführung der Therapie und praktische Hindernisse überprüfen. Möglicherweise braucht es ein anderes Vorgehen oder zusätzliche fachliche Expertise. Ein begrenztes Ansprechen sollte nicht automatisch mangelndem Einsatz zugeschrieben werden oder lediglich zu einem umfangreicheren Programm führen, ohne zu erklären, was sich ändert und weshalb.

Wo kann ich mich vor einem Termin über die Erkrankung informieren?

Der Leitfaden zum Verständnis der Bipolar-II-Störung erklärt die Episoden und den längerfristigen Verlauf. Die Seite zur Abklärung bietet eine freiwillige Vorbereitung ohne Punktebewertung. Beides ist keine Voraussetzung, um Hilfe zu suchen, und ersetzt keine fachliche Beurteilung. Bringen Sie Ihre Fragen und Informationen zur aktuellen Behandlung mit, statt zu versuchen, den Behandlungsplan selbst zu entwerfen.

Weiterführende Informationen und Quellen

[1] NIMH: Bipolare Störung, Behandlung und langfristige Unterstützung

[2] NICE CG185: Abklärung, Behandlung und Verlaufskontrollen bei bipolaren Störungen

[3] MHRA: Valproat – Risiken für die Fortpflanzung und fachärztliche Beratung

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