Die Erkrankung verstehen

Angst und gedrückte Stimmung in den Wechseljahren: Symptome und Unterstützung

Medizinisch geprüft Dr. Sarah Boss, MD

Aktualisiert am

Angst, gedrückte Stimmung oder Reizbarkeit in den Wechseljahren können verunsichern – besonders, wenn Sie sich im Alltag bisher sicher gefühlt haben. In dieser Übergangsphase können Veränderungen des Schlafs, der Konzentration, des körperlichen Wohlbefindens und der Lebensumstände zusammenkommen. Die Menopause ist keine psychische Erkrankung, und nicht jedes ängstliche oder depressive Gefühl in der Lebensmitte wird durch sie verursacht. Den zeitlichen Verlauf und das Gesamtbild zu verstehen, kann Ihnen helfen, passende Unterstützung zu finden. Sie müssen sich nicht schon vor dem Gespräch mit einer Fachperson zwischen einer körperlichen und einer psychischen Erklärung entscheiden.

Was verändert sich während der Perimenopause und der Menopause?

Die Perimenopause bezeichnet die Übergangsphase rund um das Ende der Menstruationszyklen. In dieser Zeit können sich Hormonspiegel und Monatsblutungen verändern. Eine natürliche Menopause wird festgestellt, wenn zwölf Monate lang keine Monatsblutung aufgetreten ist und dies nicht durch eine andere Ursache erklärt wird. Nach einem operativen Eingriff oder einer medizinischen Behandlung kann der Verlauf anders sein. Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt die Menopause als Lebensphase, nicht als Krankheit. Zugleich hält sie fest, dass die Symptome das körperliche, emotionale und soziale Wohlbefinden beeinträchtigen können. [1]

Sie müssen kein genaues Datum bestimmen können, bevor Sie über Ihre Symptome sprechen. Hormonelle Verhütung, frühere Operationen und andere Behandlungen können die Einordnung erschweren. Informieren Sie die behandelnde Fachperson über diese Umstände und darüber, was sich für Sie verändert hat. Entscheidend ist nicht, ob Ihre Erfahrungen den Wechseljahren einer anderen Person gleichen, sondern was Aufmerksamkeit braucht und welche Erklärungen berücksichtigt werden sollten.

Angst in den Wechseljahren kann Teil eines umfassenderen Beschwerdebildes sein

Angst kann zusammen mit Schlafstörungen, Hitzewallungen, Herzklopfen oder dem Gefühl auftreten, vertraute Situationen weniger gut bewältigen zu können. Die Informationen des NHS nennen auch gedrückte Stimmung, Gedächtnisschwierigkeiten und Veränderungen der Konzentration als mögliche Beschwerden im Zusammenhang mit den Wechseljahren. Diese Erfahrungen sind individuell verschieden. Ein einzelnes Symptom belegt nicht, dass die Wechseljahre seine Ursache sind. [2]

Beschreiben Sie Ihre Beobachtungen in Ihren eigenen Worten. Vielleicht sind die Sorgen nach einer Nacht mit häufigem Aufwachen besonders stark. Oder körperliche Empfindungen während einer Sitzung haben dazu geführt, dass Sie der nächsten Sitzung weniger zuversichtlich entgegensehen. Solche Beispiele helfen einer Fachperson, den Zusammenhang zu verstehen; sie sind keine Checkliste zur Selbstdiagnose. Neu auftretende oder starke Brustschmerzen, Atemnot oder andere beunruhigende körperliche Symptome müssen angemessen medizinisch abgeklärt werden, statt sie einfach als Angst einzuordnen.

Gedrückte Stimmung ist nicht dasselbe wie eine klinische Depression

Eine Phase der Traurigkeit, Reizbarkeit oder des verminderten Selbstvertrauens verdient Aufmerksamkeit, ist aber nicht automatisch eine depressive Erkrankung. Anhaltender Verlust von Freude, Hoffnungslosigkeit oder erhebliche Auswirkungen auf den Alltag sollten sowohl im Hinblick auf eine Depression als auch auf Beschwerden im Zusammenhang mit den Wechseljahren abgeklärt werden. Die Informationen der NIH weisen darauf hin, dass in dieser Übergangsphase Stimmungsschwierigkeiten auftreten können und frühere psychische Erkrankungen relevant sind. [3]

Sie können sowohl die körperlichen Veränderungen schildern als auch beschreiben, wie Sie sich bei der Arbeit, in Beziehungen und in Zeiten des Alleinseins fühlen. Es wäre ebenso wenig hilfreich, alles auf die Hormone zurückzuführen, wie den zeitlichen Zusammenhang mit dem Übergang am Ende der reproduktiven Lebensphase zu ignorieren. Unser Ratgeber zu Depressionen erläutert das umfassendere Beschwerdebild, das bei einer Abklärung berücksichtigt wird. Sie müssen nicht warten, bis Sie sicher wissen, welche Erklärung zutrifft, bevor Sie um Hilfe bitten.

Schlafstörungen und «Brain Fog» müssen im Zusammenhang betrachtet werden

Nachtschweiss oder Schlafprobleme können zu Müdigkeit führen und Konzentrationsschwierigkeiten oder Reizbarkeit verstärken. NHS Inform hebt diesen Zusammenhang in seinen Informationen zum Wohlbefinden in den Wechseljahren hervor. Vergesslichkeit oder Wortfindungsschwierigkeiten können beunruhigend sein. Eine kurze Beschreibung reicht jedoch nicht aus, um die Ursache festzustellen oder alle möglichen gesundheitlichen Probleme voneinander abzugrenzen. [4]

Hilfreich ist eine Beschreibung dessen, was Sie bemerken, wann es auftritt und ob es sich verändert. Informieren Sie eine Fachperson, wenn die Symptome zunehmen, alltägliche Aufgaben erheblich erschweren oder Ihnen anders vorkommen als gewöhnliche Erinnerungslücken. Plötzliche Verwirrtheit oder ein neu auftretendes neurologisches Problem sollten nicht aufgrund von Informationen auf einer Website den Wechseljahren zugeschrieben werden. Bei anhaltenden Schlafproblemen erläutert der Ratgeber zu Insomnie eine weitere Fragestellung für die Abklärung, ohne davon auszugehen, dass alle Schlafprobleme dieselbe Ursache haben.

Warum eine rein hormonelle Erklärung irreführend sein kann

Hormonelle Veränderungen sind bedeutsam. Die persönliche Vorgeschichte, körperliche Gesundheit, Medikamente und aktuellen Lebensumstände gehören aber ebenfalls ins Gespräch. Die WHO betrachtet die Menopause im Zusammenhang mit dem gesamten Lebensverlauf, einschliesslich sozialer und kultureller Einflüsse. Eine natürliche Übergangsphase kann mit einer Erkrankung, der Betreuung oder Pflege von Angehörigen oder beruflichem Druck zusammenfallen, ohne allein jede Schwierigkeit zu erklären. [1]

Überlegen Sie, was sich zuerst verändert hat und was sonst in dieser Zeit geschah. Möglicherweise lassen sich die Einflüsse nicht klar voneinander trennen. Das ist auch nicht Ihre Aufgabe vor einem Termin. Bringen Sie Ihre Beobachtungen mit, statt eine Theorie, die Sie meinen verteidigen zu müssen. Fragen Sie, was eine vorgeschlagene Untersuchung oder Behandlung klären soll und ob eine weitere Abklärung nötig ist. Eine hilfreiche klinische Erklärung sollte Raum für Unsicherheit lassen, statt zu versprechen, ein einziges verborgenes Ungleichgewicht als Ursache für alles zu finden.

Bei der Arbeit und in Beziehungen werden die Auswirkungen im Alltag sichtbar

Vielleicht bemerken Sie die Schwierigkeiten zuerst bei einer vertrauten Aufgabe: beim Sprechen in einer Sitzung, im Umgang mit Unterbrechungen oder beim Erholen nach einem anspruchsvollen Tag. Dies sind Beispiele für Auswirkungen, die Sie ansprechen können – kein Beleg dafür, dass Sie Ihre Fähigkeiten verloren haben. Statt sich an Ihrer früheren Leistungsfähigkeit zu messen, beschreiben Sie, was mehr Anstrengung erfordert und wo eine praktische Anpassung helfen könnte.

Erklären Sie zu Hause, was Sie erleben, statt zu erwarten, dass andere es aus einer veränderten Stimmung ableiten. Sie könnten um einen ruhigen Zeitpunkt für ein Gespräch bitten oder mitteilen, welche Aufgaben nach schlechtem Schlaf besonders schwerfallen. Unterstützung durch Angehörige kann willkommen sein, ohne dass diese für die Diagnose Ihrer Symptome verantwortlich werden. Unterstützung für Familien kann, wo dies sinnvoll ist, Raum für den Austausch bieten. Medizinische und psychologische Fragen bleiben dabei in der Verantwortung qualifizierter Fachpersonen.

Über Intimität und körperliche Veränderungen darf ohne Scham gesprochen werden

Scheidentrockenheit, Beschwerden beim Sex und andere körperliche Veränderungen können rund um die Menopause auftreten und das Wohlbefinden beeinträchtigen. Die Informationen des NHS erläutern, dass diese Symptome ärztlich besprochen werden sollten, statt sie still zu ertragen. Auch die emotionalen Reaktionen auf körperliche Veränderungen können sehr unterschiedlich sein. Es gibt weder eine vorgegebene Reaktion noch einen Verlust des Interesses an Intimität, der alle betrifft. [2]

Sie können das Gespräch damit beginnen, dass sich Ihr körperliches Wohlbefinden, Ihr sexuelles Verlangen oder Ihr Selbstvertrauen verändert hat. Eine Fachperson sollte nicht davon ausgehen, dass das Problem rein psychisch bedingt ist oder nur die Beziehung betrifft. Fragen Sie, welche Fachperson dafür geeignet ist und wie eine Konsultation ablaufen würde. Die Unterstützung sollte Ihre Grenzen und Ziele respektieren. Sie sollte nicht darauf abzielen, dass Sie den Vorstellungen einer anderen Person zu sexueller Aktivität oder Aussehen entsprechen.

Eine Abklärung erfordert nicht immer umfangreiche Hormontests

Die Menopause wird häufig anhand von Alter, Symptomen und Menstruationsverlauf festgestellt, statt durch eine routinemässige Reihe von Laboruntersuchungen. Die Empfehlungen des NHS weisen darauf hin, dass es keinen Routinetest gibt, der bei jedem Beschwerdebild in der Perimenopause oder Menopause eingesetzt wird. Andere Umstände, etwa ein jüngeres Alter oder eine unklare Ursache, können ein anderes klinisches Vorgehen erfordern. [5]

Informieren Sie die Fachperson über Medikamente, Verhütung, frühere Behandlungen im Bereich der psychischen Gesundheit, körperliche Erkrankungen und relevante Operationen. Sie können fragen, was sich aus der Vorgeschichte ableiten lässt und was noch unklar ist. Ein Online-Fragebogen kann Ihren Hormonstatus weder bestätigen noch eine Hormonbehandlung bestimmen. Die Seite zur Vorbereitung auf eine Abklärung der Wechseljahresbeschwerden bietet freiwillige Notizen für dieses Gespräch – keinen Ersatz für eine Laboruntersuchung und keinen diagnostischen Punktwert.

Unterstützung kann körperliche und psychische Bedürfnisse gemeinsam berücksichtigen

Mögliche Ansätze sind eine ärztliche Beurteilung mit Fokus auf die Wechseljahre, psychologische Behandlung und Unterstützung bei Schlafproblemen oder Belastungen im Alltag. NICE unterscheidet zwischen depressiven Symptomen im Zusammenhang mit den Wechseljahren und einer diagnostizierten Depression. Bei Verdacht auf eine Depression oder einer bestehenden Depression empfiehlt NICE, zusätzlich die entsprechenden Leitlinien zur Depression zu berücksichtigen. Dies hilft zu vermeiden, dass jedes Beschwerdebild als dasselbe Problem behandelt wird. [6]

Der Behandlungsratgeber erklärt die Rolle medizinischer Möglichkeiten und psychologischer Unterstützung. Fragen Sie, worauf die vorgeschlagene Massnahme abzielt und wie ihre Wirkung überprüft wird. Eine Hormonersatztherapie ist nicht automatisch für jede Person die richtige Wahl. Umgekehrt sollte die Empfehlung einer psychologischen Behandlung nicht bedeuten, dass körperliche Symptome abgetan werden. Ein abgestimmter Behandlungsplan sollte den Beitrag und die Grenzen jedes Bestandteils erläutern.

Wann Sie Hilfe suchen sollten und wie Sie beginnen können

Vereinbaren Sie ein Gespräch mit einer Fachperson, wenn die Symptome Ihren Schlaf, Ihre Alltagsbewältigung, Ihre Beziehungen oder Ihr Selbstvertrauen beeinträchtigen – auch wenn Sie nicht sicher sind, ob die Wechseljahre eine Rolle spielen. Anhaltende depressive Beschwerden oder starke Angst sollten abgeklärt werden, statt Sie lediglich aufzufordern, eine normale Lebensphase auszuhalten. Wenn Sie befürchten, Gedanken an Selbstverletzung in die Tat umzusetzen, Ihre Sicherheit nicht gewährleisten können oder ein akuter medizinischer Notfall vorliegt, wenden Sie sich an die örtlichen Notfalldienste. Formulare für reguläre Termine sind keine Anlaufstelle für Krisen.

Eine private Abklärung bei VAYEMA kann Fragen zur psychischen Gesundheit berücksichtigen und klären, ob eine auf Wechseljahre spezialisierte Fachperson oder eine andere behandelnde Fachperson einbezogen werden sollte. Fragen Sie nach einschlägiger Erfahrung und der tatsächlichen Verfügbarkeit vor Ort. Sie müssen sich vor dem Termin nicht für Medikamente, eine Therapie oder ein Programm entschieden haben. Eine kurze Beschreibung der Veränderungen, ihres zeitlichen Verlaufs und dessen, was Ihnen am wichtigsten ist, bietet einen hilfreichen Ausgangspunkt.

Häufige Fragen zu Wechseljahren und psychischer Gesundheit

Kann Angst erstmals in der Perimenopause auftreten?

Angst kann während dieser Übergangsphase auftreten. Der Zeitpunkt allein belegt jedoch nicht die Ursache. Besprechen Sie Schlaf, körperliche Symptome, Ihre medizinische Vorgeschichte und aktuelle Belastungen mit einer Fachperson. Neu auftretende Angst sollte ernst genommen und nicht abgetan werden; andere Erklärungen sollten bei der Abklärung weiterhin berücksichtigt werden. [2,4]

Führen die Wechseljahre immer zu einer Depression?

Nein. Die Erfahrungen sind unterschiedlich, und die Menopause ist keine depressive Erkrankung. Anhaltend gedrückte Stimmung, Verlust von Freude oder erhebliche Beeinträchtigungen erfordern eine individuelle Abklärung. Eine Person kann gleichzeitig Unterstützung bei Wechseljahresbeschwerden und bei einer Depression benötigen, ohne dass die eine Erklärung die andere ausschliesst. [3,6]

Kann ich Hilfe suchen, obwohl ich noch Monatsblutungen habe?

Ja. Symptome und Veränderungen können auftreten, bevor die Monatsblutungen aufhören. Beschreiben Sie Ihren Menstruationsverlauf, Ihre Verhütung und andere Behandlungen, statt auf einen bestimmten Zeitpunkt zu warten. Die Fachperson kann prüfen, ob die Perimenopause eine Rolle spielt und ob ein anderes medizinisches oder psychisches Problem ebenfalls Aufmerksamkeit braucht. [5]

Bedeutet «Brain Fog», dass ich eine Demenz habe?

Nicht für sich genommen. Für Konzentrations- und Gedächtnisprobleme gibt es verschiedene mögliche Erklärungen; Schlaf und Stimmung können dabei eine Rolle spielen. Beschreiben Sie den Verlauf und die Auswirkungen, statt aus einem Begriff eine Diagnose abzuleiten. Erhebliche, zunehmende oder plötzliche Veränderungen müssen angemessen abgeklärt werden. Ein Online-Ratgeber kann nicht alle Ursachen voneinander unterscheiden.

Werden mir automatisch Hormone oder Antidepressiva angeboten?

Aus diesen Symptomen ergibt sich nicht automatisch eine bestimmte Behandlung. Eine Fachperson sollte die Möglichkeiten im Zusammenhang mit Ihrer medizinischen Vorgeschichte, der Art Ihrer Beschwerden und Ihren Präferenzen erklären. Fragen Sie, worauf die einzelnen Optionen abzielen, wo ihre Grenzen liegen und wann Sie den Plan gemeinsam überprüfen werden.

Welche Informationen sind für einen ersten Termin hilfreich?

Bringen Sie eine kurze Übersicht zum zeitlichen Verlauf Ihrer Stimmung, Ihres Schlafs und körperlicher Veränderungen mit, dazu Angaben zu relevanten Medikamenten und die Fragen, die Sie klären möchten. Genaue tägliche Aufzeichnungen sind keine Voraussetzung, um Unterstützung zu suchen. Sprechen Sie dringende Anliegen direkt an und nennen Sie praktische oder sprachliche Bedürfnisse, die Ihnen die Konsultation erleichtern würden.

Weiterführende Informationen und Quellen

[1] WHO: Menopause im Zusammenhang mit dem Lebensverlauf

[2] NHS: Symptome der Menopause und Perimenopause

[3] NIH: Menopause, Stimmung und Gesundheit

[4] NHS Inform: Menopause und psychisches Wohlbefinden

[5] NHS: Menopause und Perimenopause erkennen

[6] NICE NG23: Menopause erkennen und behandeln

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