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Von einer Doppeldiagnose spricht man häufig, wenn bei einer Person sowohl eine psychische Störung als auch eine Störung durch Substanzkonsum vorliegt. Auch der Begriff «gleichzeitig auftretende Störungen» wird verwendet; dabei können mehr als zwei Erkrankungen relevant sein. Entscheidend ist, wie die Probleme zusammenwirken und wie die Behandlung beide Bereiche berücksichtigen kann. Sie müssen nicht wissen, welches Problem zuerst aufgetreten ist, bevor Sie Hilfe suchen. Dieser Ratgeber erläutert die Zusammenhänge, die Bedeutung der Abklärung und weshalb eine klare Koordination wichtig ist.
Was Doppeldiagnose in diesem Ratgeber bedeutet
Hier bezeichnet Doppeldiagnose das gleichzeitige Vorliegen einer psychischen Störung und einer Störung durch Substanzkonsum, nicht einfach zwei beliebige medizinische Diagnosen. Beispiele sind eine Depression zusammen mit einer Störung durch Alkoholkonsum oder eine psychotische Störung bei gleichzeitigem problematischem Drogenkonsum. Diese Kombination ist keine einheitliche Erkrankung mit einer Standardbehandlung. Die Erläuterung von SAMHSA zu gleichzeitig auftretenden Störungen beschreibt verschiedene mögliche Kombinationen.
Psychische Beschwerden und der Konsum einer Substanz bedeuten nicht automatisch, dass zwei Störungen vorliegen. Eine klinische Fachperson muss das Konsummuster, die Auswirkungen und die relevanten diagnostischen Fragen abklären. Auch eine körperliche Abhängigkeit von einem verschriebenen Medikament muss sorgfältig von einer Störung durch Substanzkonsum unterschieden werden. Die Begriffe sollen eine umfassende Behandlung unterstützen, nicht einer Person eine Bezeichnung zuweisen, bevor ihre Erfahrungen verstanden wurden.
Wie psychische Gesundheit und Substanzkonsum zusammenwirken können
Eine Person kann Alkohol oder Drogen konsumieren, um mit Belastungen umzugehen, im Zusammenhang mit dem Konsum psychische Symptome erleben oder Schwierigkeiten haben, zu denen gemeinsame Faktoren beitragen. Dieser Zusammenhang kann sich im Laufe der Zeit verändern. Die Übersicht des NIMH erläutert, dass diese Probleme häufig miteinander verbunden sind. Daraus folgt weder, dass eine Erklärung auf alle Menschen zutrifft, noch, dass vor Beginn einer Unterstützung eine einzige ursprüngliche Ursache gefunden werden muss.
Eine hilfreiche Abklärung berücksichtigt sowohl den zeitlichen Verlauf als auch die aktuelle Situation. Sie können beispielsweise von Angst vor dem Alkoholkonsum, schlechterem Schlaf danach oder Symptomen berichten, die auch während einer konsumfreien Phase bestehen bleiben. Das sind Beobachtungen, keine Beweise für eine bestimmte Ursache. Eine klinische Fachperson kann damit einschätzen, was jetzt Aufmerksamkeit braucht und welche Fragen im weiteren Verlauf geklärt werden müssen. Sie müssen den Zusammenhang nicht allein auflösen.
Überlappende Symptome können die Einordnung erschweren
Schlafstörungen, gedrückte Stimmung, Unruhe, Konzentrationsprobleme oder ungewöhnliche Erlebnisse können verschiedene Erklärungen haben. Sie können mit einer eigenständigen psychischen Störung, einem Rauschzustand, einem Entzug, Medikamentenwirkungen oder einer anderen Erkrankung zusammenhängen. Mehrere Erklärungen können gleichzeitig zutreffen. Eine zu einem einzelnen Zeitpunkt ausgefüllte Checkliste kann diese Möglichkeiten nicht zuverlässig voneinander unterscheiden oder den längerfristigen Verlauf erfassen.
Deshalb wird im klinischen Gespräch gefragt, wann Symptome auftreten, wie sie sich verändern und welche Behandlungen bereits versucht wurden. Unsicherheiten sollten erläutert und nicht durch eine vorschnelle Diagnose verdeckt werden. Dringliche Symptome müssen dennoch beachtet werden, während das Gesamtbild geklärt wird. Niemand sollte aufgefordert werden, mit einem ernsthaften Problem allein zurechtzukommen, nur weil sich der genaue diagnostische Zusammenhang nicht sofort bestimmen lässt.
Störung durch Substanzkonsum und körperliche Abhängigkeit sind nicht dasselbe
Körperliche Abhängigkeit bezeichnet eine Anpassung des Körpers, die beim Reduzieren oder Absetzen einer Substanz oder eines Medikaments zu Entzugssymptomen führen kann. Eine Störung durch Substanzkonsum umfasst ein weitergehendes Muster eingeschränkter Kontrolle und damit verbundener Folgen, das im jeweiligen Zusammenhang beurteilt wird. Körperliche Abhängigkeit kann während einer ärztlich verordneten Behandlung entstehen und ist für sich allein kein Beleg für eine Suchterkrankung. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Scham oder eine unzutreffende Bezeichnung ein offenes Gespräch über medizinische Bedürfnisse erschweren können.
Unsere Ratgeber zu Benzodiazepinabhängigkeit und Problemen im Zusammenhang mit verschriebenen Opioiden gehen auf verwandte Fragen ein. Teilen Sie der behandelnden Fachperson mit, was Sie einnehmen und was bei Veränderungen geschieht. Setzen Sie Medikamente oder Alkohol nicht abrupt ab, um zu zeigen, dass Sie allein zurechtkommen. Das geeignete Vorgehen richtet sich nach einer individuellen medizinischen Abklärung, nicht nach einer Unterscheidung zwischen körperlicher Abhängigkeit und Sucht im Internet.
Entzug und Notfälle erfordern ein eigenes Vorgehen
Ein möglicher Entzug kann sowohl die Abklärung als auch den erforderlichen Behandlungsrahmen verändern. Ein schwerer Alkoholentzug kann beispielsweise mit Krampfanfällen oder einem Delir einhergehen und erfordert medizinische Behandlung. Die britischen klinischen Leitlinien zur Alkoholbehandlung behandeln diese Komplikationen. Es darf nicht vorausgesetzt werden, dass ein regulärer Psychotherapietermin, eine betreute Wohnmöglichkeit oder ein Selbsttest die notwendige Überwachung und Behandlung bietet.
Bei unmittelbarer Gefahr, Verdacht auf eine Überdosierung, schwerer Verwirrtheit, einem Krampfanfall oder wenn die eigene Sicherheit nicht gewährleistet ist, braucht es geeignete Notfalldienste. Warten Sie nicht auf einen Termin bei einem privaten Anbieter und versuchen Sie nicht, zuerst einen Entzugsfragebogen auszufüllen. Der Ratgeber zum Alkoholentzug bietet Hintergrundinformationen, aber keinen Plan für einen Entzug zu Hause. Wenn eine Abhängigkeit vorliegen könnte, holen Sie geeigneten medizinischen Rat ein, bevor Sie eigenständig abrupte Veränderungen vornehmen.
Warum eine koordinierte Behandlung wichtig ist
Die Versorgung kann schwierig werden, wenn sich ein Dienst nur auf die psychische Gesundheit und ein anderer nur auf den Substanzkonsum konzentriert, ohne dass sie sich klar miteinander abstimmen. Betroffene erhalten möglicherweise widersprüchliche Empfehlungen oder wissen nicht, an welche Fachperson sie sich wenden sollen. SAMHSA empfiehlt ein integriertes Screening und eine integrierte Behandlung, die beide Bereiche berücksichtigen und geeignete Fachstellen miteinander verbinden. Das ist ein Versorgungsprinzip, keine Garantie dafür, dass jede Klinik sämtliche erforderlichen Fachkompetenzen unter einem Dach vereint.
Fragen Sie, was Koordination konkret bedeutet. Es sollte einen verständlichen Plan, klare fachliche Zuständigkeiten und einen angemessenen Informationsaustausch geben. Fachpersonen aus Psychiatrie, Therapie und dem Suchtbereich können unterschiedliche Kompetenzen einbringen. Ein grösseres Team arbeitet nicht automatisch stärker integriert, und mehrere vereinbarte Termine allein gewährleisten noch keine aufeinander abgestimmten Empfehlungen. Die betroffene Person sollte nicht die einzige Verbindung zwischen konkurrierenden Behandlungsplänen sein müssen.
Hilfe sollte nicht voraussetzen, dass Sie zuerst eine Erkrankung allein bewältigen
Geeignete Fachstellen sollten die an sie herangetragenen Bedürfnisse abklären und eine passende Behandlung oder Weitervermittlung organisieren. Speziell bei einer Psychose mit gleichzeitigem problematischem Substanzkonsum rät NICE davon ab, Menschen allein wegen des jeweils anderen Problems von einem der beiden Versorgungsangebote auszuschliessen. Dieses Prinzip bedeutet nicht, dass jede Massnahme sofort in jedem Behandlungsrahmen möglich ist. Akute medizinische oder psychiatrische Bedürfnisse können bestimmen, was zuerst behandelt werden muss.
Eine hilfreiche Erklärung unterscheidet zwischen einer aus Sicherheitsgründen notwendigen Behandlungsreihenfolge und dem blossen Weiterreichen einer Person von einer Fachstelle zur nächsten. Sie können fragen, wer während der Organisation einer Weitervermittlung verantwortlich ist und was bei veränderten Symptomen geschieht. Ziel ist der Zugang zu geeigneter Versorgung, nicht die Forderung, zuerst die Genesung von einem Problem nachzuweisen, bevor eine andere Fachperson Ihnen zuhört. Auch praktische Hindernisse und frühere negative Erfahrungen sollten im Gespräch Platz haben.
Familie und Alltag gehören zum Gesamtbild
Wohnsituation, Arbeit, Beziehungen, Finanzen und verfügbare Unterstützung können beeinflussen, welche Versorgung realistisch ist. Ein Plan, der diese Umstände ausser Acht lässt, kann schwer umzusetzen sein, auch wenn seine klinischen Bestandteile angemessen sind. Erläutern Sie, welche Verpflichtungen wichtig sind und wo Unterstützung fehlt. Das ist keine Aufforderung, eine Sicherheitsempfehlung zu übergehen; es hilft Fachpersonen, praktikable Lösungen zu finden.
Unterstützung für Angehörige kann deren eigenes Wohlbefinden und persönliche Grenzen in den Mittelpunkt stellen. Ihre Beobachtungen können gegebenenfalls hilfreich sein; der Schutz der Privatsphäre und die Beteiligung der betroffenen Person bleiben jedoch wichtig. Wer eine Behandlung bezahlt, erhält dadurch nicht automatisch Zugang zu allen klinischen Informationen. Case Management kann bei der vereinbarten praktischen Koordination helfen, ohne die für Diagnose und Behandlung verantwortlichen Fachpersonen zu ersetzen.
Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Kombination von Bedürfnissen
Der Plan kann psychologische Betreuung, gegebenenfalls Medikamente, eine auf die jeweilige Substanz ausgerichtete Behandlung und praktische Unterstützung umfassen. Diese Bestandteile sollten auf die festgestellten Bedürfnisse eingehen und nicht ein pauschales Angebot unter dem Namen «Doppeldiagnose-Behandlung» bilden. Die Versorgung bei traumabezogenen Beschwerden und Alkoholproblemen kann sich von der Versorgung bei einer Psychose und Stimulanzienkonsum unterscheiden. Die Fachperson sollte erläutern, welche Prioritäten, wissenschaftlichen Grundlagen und Fachkompetenzen für Ihre Situation relevant sind.
Der Ratgeber zur Behandlung erläutert die koordinierte Planung, während der Ratgeber zur Abklärung bei der Vorbereitung eines ersten Gesprächs hilft. Kein Gesamtwert eines Fragebogens entscheidet darüber, welches Medikament, welche Behandlungsintensität oder welcher Behandlungsrahmen geeignet ist. Je nach aktuellen Bedürfnissen und tatsächlich vorhandenen klinischen Möglichkeiten kann eine ambulante Behandlung oder ein anderes Versorgungsangebot empfohlen werden.
Ein erster Schritt, auch wenn noch nicht alles geklärt ist
Sie können mit den Problemen beginnen, die Sie wahrnehmen: Stimmung, Schlaf, Substanzkonsum, Veränderungen der Behandlung oder Schwierigkeiten im Alltag. Bringen Sie Angaben zu Ihren Medikamenten und frühere Berichte mit, soweit diese leicht verfügbar sind. Schieben Sie die Kontaktaufnahme aber nicht auf, um eine lückenlose Vorgeschichte zusammenzustellen. Eine kurze, ehrliche Schilderung, die auch Unsicherheiten benennt, kann ausreichen, um eine geeignete Abklärung einzuleiten.
Eine Anfrage zur Abklärung bei VAYEMA kann helfen, die passende Fachkompetenz und den vorgesehenen Behandlungsrahmen zu klären. Der Anbieter sollte seine Grenzen und einen allfälligen Bedarf an einer spezialisierten oder dringlichen Weitervermittlung erläutern. Reguläre Anfragen werden nicht als Krisenkanal überwacht. Der nächste Schritt sollte die relevanten Fragen und Zuständigkeiten zusammenführen. Er sollte nicht verlangen, dass Sie zwischen psychischen und substanzbezogenen Problemen wählen, bevor eine Fachperson das Gesamtbild kennt.
Häufige Fragen zur Doppeldiagnose
Bedeutet Doppeldiagnose immer genau zwei Erkrankungen?
Nicht unbedingt. In diesem Ratgeber bezeichnet der Begriff gleichzeitig auftretende psychische Störungen und Störungen durch Substanzkonsum; dabei können mehr als zwei Erkrankungen relevant sein. Der Begriff ist eine erste Beschreibung, keine einheitliche Diagnose mit einem Standard-Behandlungspaket. Die tatsächliche Kombination erfordert eine individuelle Abklärung.
Liegt bei Substanzkonsum und Depression automatisch eine Doppeldiagnose vor?
Nein. Eine klinische Fachperson muss sowohl die psychischen Symptome als auch das Konsummuster abklären. Konsum allein belegt keine Störung durch Substanzkonsum. Der zeitliche Verlauf, die Bewältigung des Alltags, Medikamente, Rauschzustände und Entzug können die Einordnung beeinflussen. Weitere Beurteilungen können nötig sein, bevor der Zusammenhang klar ist.
Muss ich wissen, welches Problem zuerst aufgetreten ist?
Nein. Ein zeitlicher Überblick kann helfen, aber Sie brauchen keine vollständige Erklärung der Ursachen, bevor Sie um Unterstützung bitten. Eine klinische Fachperson kann auf aktuelle Bedürfnisse eingehen und gleichzeitig die Vorgeschichte klären. Dringliche Symptome sollten angemessen beachtet werden, statt zu warten, bis jede diagnostische Frage beantwortet ist.
Ist Abhängigkeit von einem verschriebenen Medikament automatisch eine Sucht?
Nein. Körperliche Abhängigkeit und eine Störung durch Substanzkonsum sind unterschiedliche klinische Fragen. Eine körperliche Abhängigkeit kann während einer ärztlich verordneten Behandlung entstehen und dennoch eine sorgfältige medizinische Begleitung erfordern. Setzen Sie ein Medikament nicht plötzlich ab, um den Unterschied zu prüfen. Besprechen Sie das Einnahmemuster und mögliche Entzugsprobleme mit einer geeigneten klinischen Fachperson.
Kann eine ambulante Behandlung geeignet sein?
Für manche Menschen ja, nachdem der aktuelle Gesundheitszustand, die Sicherheit, die vorhandene Unterstützung und der Behandlungsbedarf abgeklärt wurden. Andere benötigen dringende medizinische, spezialisierte oder stationäre Versorgung. Eine Diagnose oder ein persönlicher Wunsch allein bestimmt den Behandlungsrahmen nicht. Es darf nicht vorausgesetzt werden, dass reguläre ambulante Termine eine Entzugsbehandlung oder eine durchgehende Überwachung einschliessen.
Können Angehörige unabhängig davon Unterstützung erhalten?
Ja. Sie können Hilfe im Umgang mit eigenen Belastungen, bei der Kommunikation und beim Setzen von Grenzen benötigen. Diese Unterstützung setzt weder eine Diagnose einer abwesenden Person noch einen automatischen Zugang zu vertraulichen Unterlagen voraus. Jede Beteiligung an der individuellen Behandlung sollte einen angemessenen Zweck haben und klaren Vereinbarungen zur Vertraulichkeit unterliegen.
Weiterführende Informationen und Quellen
[1] SAMHSA: gleichzeitig auftretende Störungen und andere Erkrankungen
[3] SAMHSA: integriertes Screening und integrierte Behandlung
[4] NICE CG120: Psychose bei gleichzeitigem problematischem Substanzkonsum
[5] Britische Leitlinien zur Alkoholbehandlung: Entzugskomplikationen und medizinische Versorgung